Interview mit dem Kinderpriester der Gemeinde, Priester Tobias Pröchtel, der für die Sonntagsschule verantwortlich ist.
„Sonntagsschule: Bedeutet das, dass die Kinder – nachdem sie unter der Woche schon in der Schule waren – nun etwa auch noch am Sonntag in die Schule müssen?“
Nein, ein "Muss" oder sogar eine Pflicht zum Besuch der Sonntagsschule gibt es nicht. Das Angebot richtet sich an die Kinder mit Eintritt in die Schule bzw. mit schulpflichtigem Alter bis 10 Jahre. Gastkinder sind immer herzlich willkommen.
„Wie ist das Verhältnis von Sonntagsschule zum staatlich angebotenen Religionsunterricht in der Schule?“
Ich denke, dass der staatliche Religionsunterricht oder LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religion) sehr wertvoll für unsere Kinder und daher zu empfehlen ist.
Die Sonntagsschule greift auch die dortigen Themen noch einmal insbesondere aus der Sicht unseres Glaubensverständnisses auf. Beides kann von den Kindern besucht werden.
„Bei Schule denkt man ja sofort an einen Lehrplan, Lernziele, Lehrbücher und Unterrichtsmaterial. Gibt es Vergleichbares auch in der Vorsonntagsschule und – wenn ja – was habt ihr für Lehrpläne und Lernziele?“
Die "Ziele" der Sonntagsschule bestehen darin:
- die Freude an der Gemeinschaft der Gotteskinder und an den Gottesdiensten zu wecken und zu stärken,
- unseren Kindern anhand von biblischen Geschichten Gottes Wirken zu vermitteln,
- den Glauben an göttliche Verheißungen zu festigen,
- den Ablauf der Gottesdienste, die Bedeutung der Sakramente, Segenshandlungen sowie kirchliche Feiertage zu erklären.
Seit 2019 hat die Sonntagsschule neues (modernes) Unterrichtsmaterial erhalten. Die Inhalte und Botschaften der Unterrichtsstunden sind nun näher mit den eigenen täglichen Erlebnissen unserer Kinder verknüpft. Wir haben auch die Möglichkeit, jede Unterrichtsstunde nach der Altersstruktur der Kinder auszurichten: Erklärvideos, Bastelarbeiten, Rätsel, Ausmalbilder und die sehr beliebten Rollenspiele zu den Themen sind dafür beliebte Instrumente.
„Wann und wo findet der Unterricht statt?“
Die Unterrichte finden in der Regel jeden Sonntag, parallel zum Gottesdienst in der Sakristei statt. 1x im Monat feiern wir mit allen Unterrichtsgruppen das Heilige Abendmahl. Je nach Unterrichtsinhalt (und Wetter) können wir unseren Kirchengarten nutzen. Gerne denke ich an unsere gemeinsame Unterrichtsstunde mit unserem Hirten im Kirchengarten zurück, als wir gemeinsam unsere liebe Martina aus der Vorsonntagsschule verabschiedet haben. Ein besonderes Highlight in diesem Jahr ist die Kinderfahrt nach Bollmannsruh im September.
„Wie viele Lehrer und Lehrerinnen seid ihr in der Sonntagsschule?“
Aktuell sind wir vier Lehrkräfte in der Sonntagsschule (Schwester Knop, Schwester Kürras, Diakon Pätzold, Priester Pröchtel). Je nach An- und Abwesenheit wird berücksichtigt, dass jede(r) einmal als Durchführende/r und Wiederholende/r dran ist.
„Wie viele Kinder habt ihr denn durchschnittlich in der Sonntagsschule?“
Derzeit haben wir im Durchschnitt 5-8 Kinder in der Sonntagsschule.
„Wie können wir uns den Ablauf einer Unterrichtsstunde vorstellen?“
Als Zeitumfang haben wir ca. 40 Minuten. Darin enthalten ist das gemeinsame Lied und Gebet (Dank, Bitte und Fürbitte der Kinder im Vordergrund) mit den anderen Unterrichtsgruppen und sodann der eigentliche Unterricht. Wenn möglich, gibt es eine kurze Wiederholung der vorherigen Stunde und dann die gemeinsame Ausarbeitung des Themas.
„Seid ihr mit der räumlichen Situation und mit der Ausstattung des derzeit genutzten Raumes zufrieden bzw. was würdet ihr euch zur Verbesserung des Unterrichts wünschen?“
Ich denke, jeder hätte gerne seinen "eigenen Raum" mit eigener Ausstattung in der Kirche (Chor, Senioren, Jugend, Unterrichtsgruppen etc.). Aber wir nutzen unsere Möglichkeit in der Sakristei bestmöglich aus. Der große Tisch bietet zum Beispiel ausreichend Platz für die kreativen Ausarbeitungen. Wir haben auch einen eigenen Schrank für unsere Bastelmaterialien und Bücher. Eine stabile Internetleitung wäre allerdings für so manches Video zum Thema sehr wünschenswert.
„Was motiviert euch bei der Arbeit mit den Kindern? Was bereitet euch Freude?“
Kinder sind eine Gabe Gottes. Für mich persönlich ist es immer wieder bewegend und schön, wenn unsere Kinder aus den Unterrichten später dann zur Konfirmation vor dem Altar stehen und ihr Konfirmationsgelübde sprechen. Es ist eine schöne, aber auch zugleich eine vertrauensvolle Aufgabe, unsere Eltern in ihrer Verantwortung zu unterstützen, damit die Kinder im Glauben heranwachsen. Häufig schenken uns unsere Kinder in den Unterrichtsstunden schöne Impulse und Gedanken zu den Themen, welche uns "Erwachsene" so manches in einem neuen Blickwinkel erscheinen lässt und uns innerlich berührt.
„Braucht ihr noch Mitarbeiter/-innen? Und, falls ja, welche Qualifikation bräuchte man dafür?“
Ja klar, jederzeit gerne. Hierbei ist keine pädagogische Ausbildung o.ä. notwendig. Die Liebe zu unseren Kindern in der Gemeinde, sie im Glaubensleben zu begleiten, mag die größte Motivation sein. Nur Mut!