Hätten die Wiener gewusst, dass die Türken den damals noch unbekannten Kaffee im Gepäck haben, hätten sie 1683 vielleicht nicht so vehement ihre Stadt verteidigt. Nein, das ist natürlich Unsinn, weil es reine Legende ist, dass beim Sieg über die Türken 500 Sack Kaffee erbeutet wurden. Die älteste Kaffeelegende besagt, dass der Prophet Mohammed (ca. 570-632 n. Chr.) die anregende Wirkung des Kaffees zuerst entdeckt habe, nachdem ihm der Engel Gabriel eine Tasse heißer, dunkler Flüssigkeit dargeboten habe. Aber erst um 1511 entstanden in Mekka die ersten Kaffeehäuser. 1673 wurde in Bremen ein Kaffeehaus eröffnet. Von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) stammt übrigens die Idee, man solle die Bohnen einmal destillieren, um dem Café-Geheimnis auf den Grund zu kommen. Beim Umsetzen des Gedankens entdeckte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge (1794-1867) dann das Coffein. Aufgrund dieses Inhaltsstoffes stufen Mediziner den Café als „psychotrop“ ein, d.h. er beeinflusst unsere psychische Verfassung. Wie wahr! Und darum geht es uns doch!
Als die Idee des Kirchen-Cafés Anfang 2020 an den Vorsteher unserer Gemeinde herangetragen wurde, sagte er sofort zu. Anfangs wurde der Kuchen noch vom kleinen Orga-Team selbst gebacken. Doch schnell füllte sich das Kuchen-Buffet mit jedem Mal wie von Geisterhand. Denn viele brachten aus Eigeninitiative einfach mit, was sie im Sinn hatten. Dafür möchten wir zum Ende dieses Jahres einmal herzlich „Danke“ sagen!
Und zur Frage der Begriffs-Verbindung „Kirchen-Café“ darf folgendes angemerkt werden: Hier wird nicht etwas Heiliges mit etwas ganz Alltäglichem „vermischt“, sondern eine wichtige Lebensnähe geschaffen: Auch Jesus war es überaus wichtig, nicht nur zu „predigen“, sondern lebhafte Tischgemeinschaft mit seinen Zuhörern zu haben – nicht nur mit seinen Jüngern! Überall will er „einkehren“, „versorgen“ und bleibt drei Tage in einem Dorf, wenn der Bedarf da ist.
Darum sind Kirchen-Cafés inzwischen eine weltweite Institution. Das Schönste findet sich wohl in Dublin als dauerhafte Einrichtung (vgl. Foto), wo man auf der Empore auch direkt unter der Orgel den Café genießen kann.
Nicht vergessen werden wir den Tag, an dem wir nach einem mehrstündigen Gottesdienst in der berühmten Londoner Kirche „St.-Martin-in-the-Fields“ (vgl. Bild unten) zum Kirchencafé eingeladen wurden. Der Pfarrer begrüßte uns acht Personen und lernte erst einmal alle acht Vornamen auswendig, bis er sich sicher war, uns alle persönlich ansprechen zu können. Kann man mit einem schöneren irdischen Ritual auf die göttliche Zusage aus Jesu 43, 1 hinweisen? „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“
Wir freuen uns, Euch zum Kirchen-Café namentlich begrüßen zu dürfen.