Kindermusik

Wie seid ihr dazu gekommen, mit den Kindern Musik zu machen? Woher kam der Impuls?

Beate: Der kam aus der Anregung der Brüder, die hier mit den Kindern Abendmahl gefeiert haben. Während der Pandemie hatte so ganz ohne Musik doch etwas gefehlt. Ich wurde angesprochen, ob ich mir vorstellen kann, die Kinder beim Gesang am Keyboard zu begleiten. Im Frühling 2022 hat dann der Vorsteher gefragt, ob ich mir vorstellen kann, die Kindermusik zu übernehmen. Leicht fiel mir die Entscheidung nicht, denn ich hatte Probleme mit meiner Stimme und die wurde immer schlimmer. So kann man doch keinen Chor machen. Aber es hat den Kindern und mir so viel Freude gemacht, dass wir zusammen weiter machen wollten.

Vanessa: Ich bin rein zufällig dazugekommen. Vor dem Gottesdienst wird der Raum gemeinsam von allen Kindern genutzt. Da ich in der Vorsonntagsschule unterstütze, war ich meist schon etwas früher da und habe mich dann einfach mit in den Kreis der Musizierenden gesetzt. Ich dachte: Vielleicht kann ich meine Stimme noch trainieren und verbessern – das schadet ja nicht. Und dann haben Beate und ich festgestellt, dass es ganz gut ist, wenn immer zwei Verantwortliche da sind. So kann sich eine um die ankommenden Kinder kümmern - begrüßen und willkommen heißen - und die andere kann mit den Kindern weiter proben. Beides kann eine allein nicht so gut managen. Und die Kinder freuen sich, so glaube ich, wenn jemand einfach „Hallo“ sagt und kommen besser in der Gruppe an. Inzwischen habe ich auch wieder angefangen Klavier zu üben, um die Kinder beim Singen zu begleiten.

Nun sind die Kinder nicht zum “Kinderchor“ eingeladen, sondern es heißt “Kindermusik“ - wie kam es dazu?

Eigentlich kam es, wie es kommen musste. Wir haben irgendwann gemerkt, dass die Kinder hier an den Instrumenten herumgespielt haben und auch etwas Quatsch gemacht haben. In der Ecke steht eine alte Orgel und das Keyboard lagert auch hier unten und ist frei zugänglich. Natürlich probieren sich die Kinder daran aus. So reifte dann die Idee, die Kinder einzubeziehen und das dadurch ein wenig zu lenken, denn sie sollen ja Musik machen. Wer ein Instrument hat und lernt, darf es mitbringen und hier spielen. Auch, damit die Kinder die Scheu verlieren können, vor Leuten zu spielen und Spaß am Singen und am Musizieren haben. Ein Set aus Schellenring, Triangel und verschiedenen Rasseln und Trommeln haben wir auch immer da. Es gibt auch einige, die Singen überhaupt nicht mögen. Daher haben wir die Idee des Kinderchores erweitert auf „Singen und Musizieren mit den Kindern“ - eben „Kindermusik“.

Kurz zurück zu euren eigenen Instrumenten: Liebe Vanessa, ich wusste gar nicht, dass du Klavier spielst?

Vanessa: Ich hatte 6 Jahre Klavierunterricht, habe aber leider aufgehört zu spielen und den Großteil verlernt. Wenn ich also die Kinder mit einem Stück begleiten will, muss ich wirklich auch üben. Inzwischen habe ich ein paar Stücke, die ich gut kann, aber wenn die Kinder sich spontan etwas wünschen, dann muss Beate spielen *lacht*.

Beate: Genau. Ich würde uns als ein gut eingespieltes Team bezeichnen. Wir agieren gut miteinander und das macht es für uns sehr angenehm. Insgesamt hat sich alles stückweise ergeben. So macht es uns Spaß und wir haben auch das Gefühl, dass es den Kindern Freude macht.

Ich glaube, die Kinder brauchen auch diese Authentizität. Die spüren ganz genau, wenn jemand ehrlich mit Lust bei der Sache ist und das vermittelt. Habt ihr ein Lieblingslied aus dem Kinderrepertoire?

Vanessa: Ich singe sehr gern alle Lieder. Wenn ich ein bestimmtes nennen muss, dann „Asante sana Jesu“ (KLB 42).

Beate: Nein, bei mir ist das stimmungsabhängig. Ein konkretes Lieblingslied habe ich nicht.

Wonach entscheidet ihr, welche Stücke als nächstes geübt werden?

Jede von uns sucht abwechselnd ein Lied raus. Dabei schauen wir, was für unsere kleine Kindergruppe passt. Aber auch, was für uns Große passt. Denn ich (Beate) musste mich erst einmal in die Noten einlesen. Was kann ich überhaupt spielen? Bei welchen Liedern kann man einfache Akkorde dazu spielen, um nicht nur einstimmig zu spielen? Manchmal gibt es auch Anlässe, als letztes zum Beispiel der Kindertag, der hier in Potsdam für den ganzen Ältestenbezirk stattfand. Da haben wir ganz auf die Lieder hingearbeitet, die da auch gesungen werden sollten. Es war ein tolles Ziel, worauf sich auch die Kinder sehr gefreut haben.

Wie läuft denn so eine Kindermusik ab?

Wir beginnen mit einem kleinen Gebet. Das darf auch ein Kind übernehmen, wenn jemand möchte. Danach folgen ein paar Minuten Einsingen. Anschließend üben wir, was so ansteht. Beim Ablauf lernen auch wir noch dazu. Anfangs haben wir mal ein Lied die ganze Probe lang geübt, aber dann ist die Luft komplett raus. Deshalb üben wir jetzt lieber ein Lied über mehrere Proben verteilt, aber eben immer nur ein kleines Stück davon.

Und das versuchen wir abwechslungsreich zu gestalten.
Letztens sind wir im Takt um die Tische gelaufen, um ein Gefühl für das Lied zu bekommen. Das war durchaus schwierig für die Kinder. Und vermittelt auch Grundlagen für Musik, Takt und Rhythmus - das Verständnis für Musik.

Manchmal muss ein Kind unbedingt allen noch erzählen, was es erlebt hat. Das ist auch schön und soll hier seinen Platz haben. Damit bringen sie ja ihre Gefühle mit ein. Oder wir besprechen die Liedtexte nochmal - manche sind schwer oder enthalten Wörter, die nicht mehr so oft im Sprachgebrauch vorkommen. Die Zeit vergeht im Fluge. Einige Kinder kommen zwischendurch noch dazu, und natürlich nehmen wir uns für jeden Zeit, aber kurz vor 10 Uhr müssen wir dann die Probe beenden, damit noch etwas Ruhe einkehren kann. Kinder, die gerade erst dazu gekommen sind, haben dann vielleicht gerade noch eine Strophe mitgesungen.


Inzwischen haben wir auch ein festes Signal zum Ende der Probe:
Beate geht zum Keyboard und drückt einen Knopf, woraufhin das Instrument von allein eine peppige Melodie spielt: Natürlich haben die Kinder herausgefunden, wie das geht *lacht*. Das nutzen wir jetzt als Signal zum Ende und dann ist noch ein Moment Ruhe bevor die Unterrichte beginnen.
 

Das klingt sehr dynamisch bei euch - und sehr sympathisch, dass ihr schaut, wie man etwas möglich machen kann; möglicherweise heißt das dann auch mal, dass die Begleitmusik aus dem Abspielgerät kommt.

Wir waren erstaunt, dass es vom Bischoff-Verlag ganze CDs mit Begleitungen zum Singen gibt. Aber klar, man kann nicht einfach voraussetzen, dass alle Fähigkeiten in allen Gemeinden vorhanden sind. Wobei die CD auch ihre Tücken hat. Die richtige Lautstärke zu finden ist schwer, denn man weiß vorher nicht wieviele Kinder zum Vortrag da sind oder ob die Kirche voll ist. Am Ende sehen wir aber bei einem Vortrag immer auf die Kinder selbst: die trauen sich oder lernen sich zu trauen vor andern zu musizieren. Irgendwann kommt das von selbst, dass sie auch singen oder musizieren wollen. Wichtig ist aber, dass sie sich trauen.


Unser Ansatz ist ein Lied zu üben, bis wir das Gefühl haben "jetzt können wir das vortragen". Und wenn die Kinder dann auch vortragen wollen, entscheiden wir dies kurzfristig in Absprache mit dem Dienstleiter. Bis jetzt ist es immer noch ein austesten und herantasten. Wir wollen keinen Druck ausüben oder niemanden zwingen mitzumachen. Es soll immer Freude bleiben und wenn die Kinder am Morgen sagen „Nein, heute wollen wir nicht singen/vortragen.“ - dann ist das so. Natürlich werben wir darum, dass die Kinder mitmachen. Aber am Ende steht bei uns immer der Satz: „Entscheiden musst du alleine.“
Letztlich soll es Freude bereiten! Perfektion überlassen wir an der Stelle gern anderen.

Und wir betonen den Kindern gegenüber auch, dass wir das zur Ehre Gottes machen. Natürlich nicht so formuliert - die Kinder sollen das verstehen, aber das schwingt immer mit, wenn wir Musik machen. Und dieser Gedanke, der überträgt sich auf das Erwachsenenleben: das Aktiv sein für Gott und die Gemeinde aus dem Wunsch heraus, Gott zu loben. Freude haben und in der Gemeinde Freude bringen, das sind die Aspekte, die wir den Kindern vermitteln möchten.