Sie kamen aus verschiedenen Gemeinden (z.B. Charlottenburg, Falkensee, City-West, Potsdam und Brandenburg) und werden vom „Runden Tisch Trauerbegleitung“ der Gebietskirche Nord- und Ostdeutschland unterstützt und geschult, bevor sie offiziell als Trauerbegleiter/innen in ihren Gemeinden eingesetzt werden.
Was passiert aktuell in den Gemeinden?
Die drei Gruppenangebote für Trauernde in den Gemeinden Potsdam, Charlottenburg und Brandenburg a.d.H. sind gut besucht, auch von Trauernden aus anderen Bezirken. Sie sollen im Laufe des Jahres durch ein weiteres "Trauercafé" in der Gemeinde City-West ergänzt werden. Nicht in allen Gemeinden sind solche Gruppen notwendig, oft genügt auch ein Besuch bei Trauernden, ein gemeinsamer Spaziergang über den Friedhof oder einfach ein Händedruck.
Im Zuge des Austausches wurde einmal mehr hervorgehoben, welcher tiefe Trost durch den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod möglich ist. Dies erfahren wir auch in den Trauerkreisen. Eine besondere Herausforderung in der Trauerbegleitung stellt der Tod ungeborener Kinder, der "Sternenkinder" dar. In welcher Weise können wir auf die betroffenen Eltern reagieren? Welche Informationen helfen uns dabei, ihnen gegenüber sensibel genug aufzutreten? Dies soll Thema des nächsten Vernetzungstreffens sein.
Schwerpunktthema: Resilienz und christlicher Glaube
Der psychologische Fachbegriff Resilienz hat in den letzten Jahren Eingang in die Alltagssprache gefunden und bedeutet so viel wie Krisenbewältigung, Widerstandskraft, Regenerations- oder auch Anpassungsvermögen.
Die Stärkung der Resilienz ist in der Trauerbegleitung von großer Bedeutung, stellt doch der Tod eines geliebten Menschen eine erschütternde Situation dar. Wie können Trauerbegleiter unterstützend tätig werden? Ein Blick auf die Resilienzforschung veranschaulicht sogenannte individuelle "Resilienzfaktoren", die bestärkt werden könnten:
Optimismus, positive Zukunftsplanung, Verantwortungsübernahme, enge Bindungen, Akzeptanz bzw. die Annahme dessen, was mir widerfährt oder auch die Infragestellung der eigenen Opferrolle. Das Zusammenspiel all dieser Kompetenzen macht die individuelle Widerstandskraft aus.
Wir haben über unsere eigenen Fähigkeiten gesprochen, mit Krisen umzugehen und darüber, welche Rolle unser Glaube spielt. Dazu einige Beispiele:
Optimismus umfasst die Fähigkeit, einer belastenden Situation noch etwas Positives abzugewinnen. Der Glaube kann dazu beitragen, einen anderen Blick auf die Dinge zu erlangen. Er kann ein Fenster in die Ewigkeit öffnen, das Geschehene erscheint in einem anderen Licht.
Positive Zukunftsplanung: Wenn wir uns in großer seelischer Not zurückziehen und nicht mehr wissen, wie es im Leben weitergehen soll, kann Gottvertrauen entstehen. Plötzlich wird es möglich, positiv in die Zukunft zu schauen, sich Ziele zu setzen. Auch der Glaube daran, dass die Zukunft uns den Herrn bringt, kann belebend wirken.
Enge Bindungen z.B. in der Gemeinde können helfen, die Einsamkeit zu relativieren, die liebevolle Beziehung zu Gott kann die Sorgen kleiner machen. Und wenn wir den Kontakt verlieren und nicht mehr beten können, dann ist es tröstlich, wenn ein anderer sagt: Ich bete für dich.
Verlassen der Opferrolle: Wenn wir den Blick über unsere Trauer hinweg dem Nächsten zuwenden, sehen wir Gelegenheiten, Gutes zu tun. Das Erleben der eigenen Liebeskraft kann ein starker Trost und eine Heilung in der Trauer und Verzweiflung sein.
Aus dem Vernetzungstreffen nehmen wir Ideen mit, wie wir selbst und andere über Krisensituationen hinauswachsen können und welche große Hilfe dabei Gottvertrauen und Nächstenliebe sein können. Besonders berührt hat uns Jesajas Glaube, auf den in Psalm 103, 5 Bezug genommen wird: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“
Wie geht es weiter?
Weil die Möglichkeit der Beauftragung von Trauerbegleiter/innen noch wenig bekannt ist, wollen wir weiterhin über die Vernetzungstreffen auf der Website des Bezirks berichten. Es wäre schön, wenn in einigen weiteren Gemeinden des Bezirks noch Geschwister gefunden würden, die bereit sind, sich zum/zur Trauerbegleiter/in qualifizieren und einsetzen zu lassen.
Das nächste Vernetzungstreffen ist im Juni 2026 in der Gemeinde Falkensee geplant. Interessierte Geschwister können sich jederzeit gerne unter der Mailadresse trauerinfo@nak-bb-west.de informieren und anmelden.
Neuapostolische Kirche