Nach dem Eingangslied „Wie groß ist des Allmächt´gen Güte“ (GB 227) und dem Eingangsgebet legte der Apostel dem Gottesdienst das Wort aus Kolosser 3,17 zugrunde:
„Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“
Einleitend ging Apostel Kasper darauf ein, dass heute drei Gemeinden versammelt seien, dass es die Segensspendung zur Rubinhochzeit, die Sakramentsspendung zur Heiligen Versiegelung sowie weitere Höhepunkte zu erleben gäbe und dass es somit wahrhaft – über den Erntedanktag hinaus – ein „Danktag“ sei. Wir hätten somit allen Grund, den Herrn zu loben, wie es der Chor in seinem Eingangslied besungen hätte („Lobe den Herren“, GB 151).
„Wie können wir dankbar sein?“, fragte der Apostel und gab – abgeleitet aus dem Textwort – die erste Antwort: “Indem wir Gott in Allem danken und nicht selektieren oder abwägen.“ Er forderte die Gemeinde auf, aufrichtige Christen zu sein, nicht nur „Sonntags-Christen“ und ansonsten unter der Woche „miesepetrig“ und unfreundlich. Wir mögen nicht „zwei Gesichter“ haben. Es gäbe keine Trennung zwischen Religion und Leben. Unsere Grundhaltung möge durchgängig, die der Dankbarkeit, sein: für den Nächsten, für die/den Partner(in), für die Familie, für die Gemeinde.
Eine weitere Antwort, auf die vom Apostel gestellte Frage, ist die Aussage: „Ich bleibe bei Gott“. Weil ich ihm vertraue, weil ich seine Liebe, sein Wohlwollen erlebt habe. Und daraus ergibt sich eine weitere Antwort: „Ich pflege eine wohlwollende Beziehung zum Nächsten.“ Ich darf Gottes Gnade und Güte genießen und gönne sie somit auch gerne meinem Nächsten. Der Apostel zitierte ein Tautogramm (also einen Satz, der ausschließlich aus Wörtern mit gleichem Anfangsbuchstaben besteht): „Wehe, wenn Wohlwollen weicht“. Aus dem Wohlwollen heraus wachse aber die Bereitschaft zur Vergebung. Sie sei ein Grundwert der Einheit und bringe eine Gemeinde in ihrer Entwicklung weiter.
Eine weitere Antwort auf die eingangs gestellte Frage sei das Gebet. Im Gebet könne man Gott seine Dankbarkeit sagen. Ergänzend hierzu fragte der Apostel: „Betest du noch“? Es sei doch wirklich wichtig, dass wir Gott danken und dass wir auf das schauen, was Gott uns geschenkt hat. Aus der Dankbarkeit für diese Gaben wertschätzen und beschützen wir diese sodann.
Der Apostel beendete seine Predigt mit der wohltuenden Aussage:
Gott sagt zu dir: „Ich liebe dich. Ich vertraue dir.“ Und forderte die Gemeinde auf, hierauf mit den Worten zu antworten: „Ja, mein Gott, ich liebe dich auch und vertraue dir. Und ich bin dir von Herzen dankbar.“
In seinem Predigtbeitrag berichtete der Bezirksvorsteher, Priester Hinz, davon, dass er als Kind von einem alten Glaubensbruder nach den Gottesdiensten immer einen Pfefferminzbonbon geschenkt bekam. Beim ersten und zweiten Mal hätte ihn das noch erfreut, aber dann sei es zur Gewohnheit geworden. Weshalb ihn seine Mutter dann an die – sicherlich uns allen bekannte – Frage erinnern musste: „Wie sagt man?“ Das wäre sodann ein antrainiertes Verhalten gewesen. Das „Danke-Sagen“ kam also nicht von Herzen. Da wir Gottes Gnade, seine Liebe und Vergebung ebenfalls regelmäßig erleben dürfen, stehen wir in der Gefahr, dass unsere Dankbarkeit dafür auch nicht mehr von Herzen kommt.
Weiterhin ging Priester Hinz auf den Propheten Jona ein: auf seiner Flucht vor Gott geriet das Schiff, auf dem er sich befand, in einen Sturm. Nachdem er von der Besatzung über Bord geworfen und sodann von dem großen Fisch verschluckt worden war, betete er im Leib des Fisches noch bevor er schließlich errettet wurde: „Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen“ (Jona 2,10). Hieraus abgeleitet forderte er die Gemeinde auf, Gott gegenüber in Vorleistung zu treten und ihm auch dann schon für seine Hilfe zu danken, wenn diese noch gar nicht eingetreten sei.
Dieses Vertrauen auf Gott kam auch im Bußlied in den Worten „meiner Ohnmacht nie zu traun, fester stets auf dich zu baun“ (GB 173, Vers 3) zum Ausdruck.
Heilige Versiegelung
Nach dem „Unser Vater“ und der Freisprache traten die Schwestern Fielitz und Piwowaro vor den Altar, um das Sakrament der Heiligen Versiegelung zu empfangen. In seiner Ansprache wies der Apostel darauf hin, dass Gott nunmehr nicht mehr nur besuchsweise sondern voll und ganz, sozusagen „mit allen Möbeln“ in ihre Herzen einziehe. So wie Eltern zu ihrem Kind nach der Geburt sagen: „Du bist mein Kind!“ und sich dadurch eine ganz neue Welt voller Liebe und Geborgenheit öffnen würde, so sagt Gott diesen Satz auch heute zu beiden Schwestern: „Du bist mein Kind!“ Gott sage „Ja“ zu den beiden und würde dieses Ja auch nie mehr zurückziehen, denn er mache keine Fehler.
Nach der Heiligen Versiegelung gratulierte der Apostel den beiden Glaubensschwestern herzlich.
Sodann feierte die Festgemeinde das Heilige Abendmahl.
Ruhesetzungen und Beauftragungen
Im Anschluss daran setzte der Apostel drei langjährige Amtsträger zur Ruhe: den Diakon Rüdiger Koppermann, den Priester Ralf Koppermann (beide aus der Gemeinde Michendorf) sowie den Evangelisten Harald Ruks aus der Gemeinde Potsdam.
„Insgesamt stehen hier 125 Jahre Amtstätigkeit vor mir,“ sagte der Apostel und drückte damit sowohl seine Hochachtung als auch die Dankbarkeit für das Wirken der Brüder aus. In der Charakterisierung von allen dreien hob er hervor, dass Gott bei ihnen immer an erster Stelle gestanden, sie den Blick auf das Apostelamt und auf das Wiederkommen Jesu gerichtet hätten und ehrlichen Herzens „Männer der Tat“ gewesen seien. In Bezug auf den Diakon hob er zudem hervor, dass dieser immer ruhig, nie aufgeregt gewesen sei. Vielleicht liege das ja daran, dass er in der „Straße des Friedens“ wohne, mutmaßte der Apostel mit einem Augenzwinkern. Das aber wünsche er allen dreien, dass sie auf der Straße des Friedens bleiben mögen. „Tut nicht das, was ihr gepredigt habt, sondern tut, was gepredigt wird.“ gab er ihnen mit auf den Weg. Nach der Ruhesetzung dankte der Apostel den drei Brüdern nochmals sehr herzlich.
Die somit in der Gemeinde Potsdam entstandene Lücke wurde nun durch die Ordination von Diakonin Birgitta Kieffer zur Priesterin sowie durch die Beauftragung von Priester Jörg Bredau mit der Stellvertretung des Vorstehers geschlossen.
Der somit ersten Priesterin der Gemeinde Potsdam in ihrer 130jährigen Geschichte gab der Apostel u. a. den tröstlichen Hinweis mit auf den Weg, dass Gott aus Wenigem viel machen könne und sie als „Kelchträgerin“ nun getrost und zuversichtlich in die neue Aufgabe gehen könne.
Den mit der Stellvertretung des Vorstehers beauftragten Priester bat er um einen engen Schulterschluss mit dem Vorsteher, um das Wahrnehmen der Vorbildfunktion sowie um das Erlebbar-Werden der von ihm geäußerten Liebe zu Potsdam, hier insbesondere zu den Geschwistern der Gemeinde.
Segensspendung zur Rubin-Hochzeit
Schließlich gab es noch einen besonders freudigen Anlass zu feiern: Bezirksevangelist Olaf Schönicke und seine Frau Petra baten um den Segen zu ihrer Rubin-Hochzeit (40 Jahre).
Begleitet von dem Lied des Chores „Herr, segne uns und behüte uns, Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig! Herr, erhebe dein Angesicht über uns und gib uns Frieden.“ (CB 359) traten beide vor den Altar. Der Apostel ging zunächst auf den Liedvortrag ein und wünschte dem Brautpaar, dass Gott seinen Frieden auf sie legen möge. Sodann ging er auf eine kleine Szene ein, die seiner Ansprache vorausging. Der Bezirksevangelist hatte seine Frau ganz leise gefragt, ob sie sich festhalten wolle? Und sie hatte das mit einem freudigen „Ja“ beantwortet. So sei es auch mit unserem Gott, sagte der Apostel. Er macht uns immer wieder das Angebot, uns festzuhalten. Das „Ja“ müsse dann aber von uns kommen.
In den 40 Ehejahren hätten beide eine ganz wichtige Ressource entwickelt: die Ressource der Liebe, so der Apostel. Diese sei im Laufe der Jahre nicht weniger geworden, auch nicht als die Töchter geboren wurden. Sie hätte sich stattdessen immer mehr vermehrt und die Ehe und die Familie bereichert.
Der Apostel gab dem Brautpaar das Wort aus Sirach 34, aus den Versen 16 und 17 mit auf den Weg:
Die Augen des Herrn sehen auf die, die ihn lieben. [ …] er erhebt die Seele und macht das Angesicht fröhlich, gibt Gesundheit, Leben und Segen.“
„Gott sieht auf euch, er erhebt eure Seelen und macht euer Angesicht fröhlich,“ sagte der Apostel und bekräftigte dabei, dass er die beiden gut kenne und sie immer so erlebt habe. Dies wünsche er ihnen auch weiterhin und dass er ihnen seinen Segen und sowohl körperliche als auch seelische Gesundheit schenken mag.
Nach der Segensspendung gratulierte er dem Brautpaar herzlich.
Der überaus ereignisreiche Gottesdienst klang nach dem Schlusssegen mit dem zum Kerngedanken des Danktages überaus passenden Lied „Danket dem Herrn“ (GB 272) aus.
Den zahlreichen Glück- und Segenswünschen, die im Anschluss all jenen Brüdern und Schwestern ausgesprochen wurden, die an diesem Tag an den Altar traten, schließen wir uns gerne an.
Neuapostolische Kirche